HP akquiriert EDS – IDC sieht einige Chancen und viele Fragezeichen
Von Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
Die Meldung sorgte für einen Paukenschlag: HP akquiriert EDS und würde somit bezogen auf den Umsatz des Jahres 2007 zu Europas Nummer 2 der IT- Services Anbieter aufsteigen. Auch in Deutschland würden beide Unternehmen gemeinsam eine führende Platzierung auf dem Markt für IT-Services einnehmen: HP und EDS würden Position 3 erreichen und somit dicht auf den Marktführer T-Systems sowie den globalen Wettbewerber IBM aufschließen.
Details zur Integration sind noch nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass die HP Outsourcing-Sparte in den EDS Bereich eingegliedert wird.
Es gibt es eine Vielzahl von Punkten, die für diesen Zusammenschluss sprechen:
- Lokaler Markt für IT-Services: Im Jahr 2006 hatte HP in Deutschland etwa einen doppelt so hohen Umsatz wie EDS. Beide Unternehmen gemeinsam werden neben T-Systems, IBM und SIS zu den Top 4 am deutschen IT-Services Markt gehören.
- Hinsichtlich ihrer vertikalen Ausrichtung werden beide Unternehmen gemeinsam in den wichtigen Bereichen Öffentliche Hand, Fertigungsindustrie, Finanz und Telekommunikation gut vertreten sein. EDS ist in Deutschland zusätzlich im Handel (Arcandor-Deal) erfolgreich.
- Der Anteil des Segmentes Outsourcing am gesamten Services-Umsatz ist bei EDS wesentlich größer als bei HP. Gleichzeitig erwirtschaftet EDS nach eigenen Angaben aktuell etwa zwei Drittel des Umsatzes der EMEA Central Region (Deutschland, Ungarn, Schweiz, Österreich, Ungarn, Polen, Sonstige) im Bereich Application Management.
- EDS hat ist durch die Akquisition von Mphasis in Offshoring-Kapazitäten investiert und kann globale Services anbieten. Mit dem "Best Shore"-Konzept bietet EDS hierbei seinen Kunden die Kombination aus Onhsore, Nearshore und Offshore-Ressourcen. HP hingegen hat weniger Offshoring-Kapazitäten.
Neben Skaleneffekten und Synergien gibt es auf der anderen Seite aber auch Nachteile und offene Fragen hinsichtlich dieses Zusammenschlusses:
- Obwohl EDS im vergangenen Jahr mit dem Arcandor-Deal im Segment Application-Outsourcing für Furore sorgte, werden beide Unternehmen eher dem Bereich Infrastruktur-Outsourcing zugeordnet. Hier stellt sich die Frage, ob und in welchem Zeitraum HP und EDS gemeinsam den Imagewandel schaffen werden.
- Beide Unternehmen verfolgen eine starke Partnerstrategie. EDS ist der Initiator der Agility Alliance, in der gemeinsam mit Cisco Systems, EMC, Microsoft, Oracle, SAP Sun Microsystems und Xerox vorkonfigurierte "Best-of-Breed"-Lösungen entwickelt werden. HP hingegen hat eine Partnerschaft mit British Telecom (BT). Hier stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dieser Zusammenschluss auf die jeweilige Partnerstrategie haben wird. Dies bezieht sich beispielsweise auf Sun Microsystems, denn HP selbst ist ein Hersteller von Rechnern aller Kategorien.
- Beiden Unternehmen werden verschiedene Kulturen nachgesagt. Dies wirkt sich zwangsläufig auf die organisatorische Neugestaltung auf allen Ebenen des neuen Unternehmens aus.
FAZIT
Der Zusammenschluss eröffnet eine Reihe von Möglichkeiten, die sich jedoch hauptsächlich auf Skaleneffekte und Reichweitenerhöhung beziehen. Wenn HP und EDS diese Potenziale ausschöpfen können, wird das neue Unternehmen auf der Kosten- und somit der Preisseite hauptsächlich beim Infrastruktur-Outsourcing noch wettbewerbsfähiger werden.
Ebenso werden die Angebote auch aufgrund der Offshoring-Kapazitäten und des weltweiten Liefernetzwerkes für global agierende Anwenderunternehmen ein noch interessanterer Anbieter werden.
Für HP ist es in jedem Fall ein wesentlicher Ausbau der IT-Services-Kapazitäten, die für eine erfolgreiche Zukunft dringend erforderlich sind. Auf der anderen Seite profitiert EDS vom starken HP-Brand.
Die entscheidende Frage wird jedoch sein, wie schnell und effektiv der Integrationsprozess abgeschlossen wird. HP ging bei der Integration von Compaq einen schmerzlichen Weg. Bleibt zu hoffen, dass HP von diesen Erfahrungen jetzt profitieren kann. Ein zu langer Zeitraum unklarer organisatorischer Strukturen und Prozesse würde die Kunden zu sehr verunsichern und folglich zu Umsatzeinbußen führen. Dies trifft genauso auf die eigenen Mitarbeiter zu, die möglichst schnell Klarheit und eine Perspektive aufgezeigt haben möchten. Anderenfalls werden sich als erstes die Leistungsträger verabschieden. Gerade in Zeiten des IT-Fachkräftemangel gibt es zahlreiche Möglichkeiten und lukrative Angebote am Markt.
Der Zusammenschluss lässt einen essentiellen Aspekt vermissen: Das Business IT Alignment steht auf der Agenda der Anwender-CIO´s ganz oben. Die Anwender erwarten von IT-Dienstleistern Beratungserfahrung und Unterstützung bei der Geschäftsprozess-gestaltung. Gerade hier haben beispielsweise Accenture und IBM Vorteile. Zwar bringt EDS mit der kürzlich angekündigten Allianz mit PricewaterhouseCoopers (PwC) im Bereich SAP-Services eine interessante Konstellation mit in die Ehe ein, doch dies betrifft nur einen Teilbereich des Beratungssegmentes und die Partnerschaft selbst muss sich erst noch entwickeln.
Wenn die Integration von HP und EDS organisatorisch und zeitlich konsequent umgesetzt werden kann, dann wird sich das neue Unternehmen von den nachfolgenden Wettbewerbern auf dem IT-Services Markt absetzen können. Doch um die Chancen in den Wachstumsbereichen wie Consulting und Systems Integration zu nutzen, fehlen nach Einschätzung von IDC jedoch entsprechende Kapazitäten.
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